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Highway 50 - The Lonelist Road
Auf dem Highway 50 2000 Kilometer von San Francisco nach Salt Lake City (von Britta Meißner und Oliver Büttel)
Einsamkeit, eine eher seltene Assoziation, wenn man an Amerika und speziell dessen Vereinigte Staaten denkt. Im Mittelpunkt unserer Reise stand ein Stück Amerika, das vielmehr durch einarmige Banditen, Zockertische und heiße Shows besticht, denn durch einsame, endlose und selten kurvige Straßen. Aber genau jene Faszination beschreibt den Reiz des Wüstenstaates Nevada. Gelegen zwischen der Sierra Nevada im Westen und den Rocky Mountains im Osten, eingebettet in das Great Basin im Westen der USA.
Während der 2000 Kilometer Tour von San Francisco nach Salt Lake City im Bundesstaat Utah trug unser Tandem magere 30 Kilogramm Gepäck. Plus der für diese Region obligatorischen sieben Liter Wasser in acht Flaschenhaltern. Nach einer leicht hügeligen Anfahrt über Modesto, Coulterville und den knapp 3000 Meter hohen Tioga Paß im Yosemity National Park schlugen wir nach einer Woche erstmals unser Zelt im Great Basin kurz vor der Grenze zu Nevada auf.
Beeindruckende Salzformationen am leider immer rapider austrocknenden Mono Lake veranlassen einem zur Überlegung: müssen die Einwohner von Los Angeles pro Jahr und pro Kopf 2500m3 Wasser verschwenden, wenn andere Länder auch mit 50m3 auskommen! Der Mono Lake dient Los Angeles als Trinkwasserreservoir - wahrscheinlich nicht mehr lange.
Noch zwei weiteren Seen säumten unsere Route (Topaz und Tahoe) Richtung Norden, ehe wir am Lake Tahoe östlich in’s zentrale Nevada aufbrachen. 1000 Kilometer Einsamkeit, fast ohne Schatten bei bis zu 40°C, die Richtung nur durch ein Asphaltband bestimmt. Mit 120 - 160 Kilometern pro Tag erreichten wir unser Limit. Je nach Streckenprofil wurden die Sitzplätze gewählt. Bergauf die Kraft nach hinten, die ruhigeren Hände von Britta nach vorne und bei höheren Geschwindigkeiten das Gewicht Richtung Steuerrohr mit dem kleineren aerodynamischeren Körper im Windschatten. So sind Geschwindigkeiten bis 90 Kilometer pro Stunde für fast jedes Team machbar - natürlich mit Lenkeraufsatz. Trotzdem blieb den Augen genug Zeit für die immer bizarrer werdende Landschaft - speziell für den/die Hintermann/frau. Das ewige agieren und reagieren auf den städtischen Straßenverkehr wurde ersetzt durch einen langsamen Blick über den endlos weit entfernten Horizont.
Acht Tage sollte unsere Tour noch dauern, 1200 Kilometer durch Nevadas Steinwüste, über den großen Salzsee bis in die Hauptstadt der Mormonen und gleichzeitig des Bundesstaates Utah - Salt Lake City. Der erste Tag beginnt mit der trüblichen Erfahrung, daß der Wind wohl eher aus Osten bläst. Und wir so nach 100 Kilometern schweißwassergetränkt unser Zelt am Fort Churchill in den Sand schlagen. Je weiter unser Rad Richtung Osten rollt, desto lichter wird der Highway-Verkehr. Motorengeräusche werden zur Seltenheit und der "Sound of the Dessert" zum Begleiter. Orte unterbrechen diese Melodie, aber als wir hinter Amerikas größtem Muitionsdepot bei Hawthorne in Richtung Gabbs abbiegen, erscheinen uns Autos nur noch als Fremde. Mit letzter Kraft und Wasserflasche erreichen wir auf Schotterpisten die seit fast 100 Jahren verlassene Goldgräberstadt Berlin.
Das übliche Staunen und die obligaten Fragen erwarten uns am nächsten Morgen auf dem Campingplatz von Berlin: "How much does it cost, this bike?", "You didn’t come from San Francisco all the way by bike?", "Highway 50 - oh my god!" Leider blieben unsere Fragen nach dem kommenden Straßenzustand nur unzureichend beantwortet, was auch prompt zum ersten und glücklicherweise einzigen Platten unserer Reise führte. Was tun? Keinen Ersatzschlauch (au weia!), alle Flicken verflickt (Unfähigkeit und Hitze!), Schatten "no way" und die letzten 3 Stunden ein einziges Auto!
Nur Warten schien uns möglich. Und nach zwei weiteren Stunden durchbrach Motorengeräusch die Stille und unser Warten hat ein Ende. Sozusagen das Nachmittagsauto, ein Pick-up, bringt uns wieder auf das langersehnte Asphaltband bei Austin. Die Löcher in Schlauch und Mantel werden auf einer Tankstelle notdürftig gestopft, bevor es die 250 Kilometer des Highway 50 " The loneliest Road in America " bis Ely zu erklimmen gilt.
Zwei Tage nehmen wir uns für die sechs Pässe Zeit, genug um diese einmalig einsame Wüstenlandschaft zu genießen. Ausgeschlafen und nach Besichtigung der größten Kupfermiene der Welt biegen wir hinter Ely mit erheblichem Zeitverzug Richtung Wendover nach Norden ab. Endlich belohnt man uns mit starkem Rückenwind im 100 Kilometer langen Steptoe Valley. So erreichen wir nach etwas mehr als zwei Stunden noch pünktlich vor Sonnenuntergang Lages. Unauffällig schlagen wir das Zelt neben der Hundewiese der Tankstellenbesitzerin auf und tanken die letzte Energie in Form von PowerBars für die folgenden 110 Kilometer bis an die Grenze zu Utah, an den Rand des großen Salzsees bei Wendover.
Trotz stetiger Hitze uns weiterer Pässe rollen wir mit zwei weinenden Augen in Wendover ein. Das auf uns so beruhigend wirkende Nevada liegt hinter uns. Natur pur wird von den üblichen Casinos und einem stinkenden Freeway an Nevadas Grenze zu Utah abgelöst. Obwohl wir acht Tage durch einsame Wüste fuhren, kam nie lange Weile auf. Die Natur hält einen immer in Atem, läßt Kilometer oder Meilen vergehen, ohne daß der Blick auf den Tacho in Minutenabständen erfolgt.
Die abschließenden 180 Kilometer auf dem Freeway nach Salt Lake City werden ob der vielen Baustellen, des mörderischen Verkehrs und dieser einzigen Geraden zur Qual. Auch ist es ein Trugschluß, zu glauben, der Salzsee sei topfeben. Nein, auch hier werden die Kilometer durch Anstiege wie Gummi auseinandergezogen. Letztlich passieren wir die imaginäre Ziellinie gegen 19 Uhr und können so unser Zelt mit den letzten Sonnenstrahlen im von Mormonen geprägten Salt Lake City aufschlagen.