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Irland

Irland - Radlerparadies für Vielseitige - Schafe, Pubs und gute Laune

(von Klaus Offermann)

Irland, die grüne Insel, bietet dem Radler vielfältige Möglichkeiten, sein Hobby auszuüben und mit anderen Interessen zu verbinden. Fast alle Landschaftsformen sowie zahlreiche kulturhistorische Stätten, stets freundliche und hilfsbereite Menschen und ein von Touristen - zumindest im Mai -noch verschontes Land lassen den Radlurlaub in Irland zu einem Hochgenuß werden.

Irland Blick vom Errigal "Denk daran, daß du auf der linken Straßenseite fährst" ermahnt mich Detlef, mein Radlpartner, als ich zum ersten Mal in Irland mein Rad besteige. Das hätte ich auch beinahe ganz vergessen und habe eigentlich gar keine Lust, mich auf neue Radlmanieren umzustellen. Trotzdem fällt mir die Umstellung nicht schwer, obwohl ich einige Bedenken bezüglich des Linksabbiegens und Kreisverkehrs habe. Diese Probleme sind aber auch leicht zu meistern, wenn man sich den Verkehr spiegelbildlich zur deutschen Rechtsfahrsituation vorstellt. Die Freude auf den bevorstehenden dreiwöchigen Irlandurlaub mit kompletter Campingausrüstung, verteilt auf Lowrider-, Lenker-, und Gepäckträgertaschen sowie einen wasserdichten Packsack, der mein Zelt, die Luftmatratze und den Schlafsack beinhaltet, lassen alle Bedenken bezüglich des Linksfahrens schnell verfliegen. Bis zur Ankunft am Flughafen in Shannon hatten wir schon ganz andere Probleme gemeistert.

Eines davon war die Auswahl des Verpackungsmaterials für unsere doch recht teuren Räder. Nach langen Überlegungen hatten wir uns entschlossen, die Räder mit Luftpolsterfolie zu verpacken, die wir bei der Anreise mit der S - Bahn zum Münchner Flughafen in einen Plastiksack gestopft, noch zusätzlich auf den Gepäckträger geklemmt hatten. Zuvor kauften wir in einem Baumarkt Heizrohrisolierschläuche aus Kunststoff. Diese konnten wir entsprechend zuschneiden, um damit vorab schon die wichtigsten Partien des Rahmens abzudecken. Da die Fluggesellschaft die Demontage der Pedalen, das Querstellen des Lenkers und fast luftleere Reifen fordert, hatten wir die Pedalen schon zuhause abmontiert, so daß wir die Räder zum S-Bahnhof schieben mußten.

Ein weiteres Problem ist die Aufbewahrung des Verpackungsmaterials für den Rückflug. Aufgrund der Ankunft am späten Nachmittag bleibt uns nur wenig Zeit für die erste Radetappe. Deshalb entschliessen wir uns, in der Nähe des Flughafens in ein Bed & Breakfast Quartier zu gehen und die Besitzer um die Aufbewahrung des Verpackungsmaterials zu bitten. Wir dürfen die Verpackung in der Garage unterbringen und buchen gleich die letzte Übernachtung vor dem Rückflug nach München. Der Preis von 12 irischen Pfund (1 Pfund = ca. 2,35 DM) erscheint uns für diese Leistungen fair.

Das erste Quartier in Newmarket on Fergus, 15 Kilometer vom Flughafen entfernt, ist der optimale Startpunkt. Nach einem üppigen irischen Frühstück mit Cornflakes, Spiegelei, Toast, Würstchen, Speck und dem traditionellen black pudding, einer Art in der Pfanne gebackener Blutwurst, bin ich fit für die erste Tagestour, die uns an die Westküste der Insel, nach Doolin, führt. Über Ennis und Ennistymon erreichen wir in Lahinch die Küste und werden zum ersten Mal mit dem von uns so gefürchteten Wind konfrontiert. Wir haben allerdings Schlimmeres erwartet, so daß uns der einsetzende Nieselregen mehr ärgert. Die Entscheidung fällt uns schwer, die Regensachen auszupacken, da die bedrohlichen schwarzen Wolken sehr schnell ziehen und auf eine Wetterbesserung hoffen lassen. Aber, wie sich kurze Zeit später zeigt, war die Wahl für Regenhose, -jacke und -schuhe genau richtig. Nach dem etwa 200 Höhenmeter ansteigenden Stück von Lahinch bis zu den Cliffs of Moher wird der Regen immer stärker. Am Visitor´s Centre, nahe den Felsen angekommen, beginnt es auch noch kräftig zu stürmen. Trotzdem wollen wir uns diese urwüchsige steile Klippenlandschaft nicht entgehen lassen und marschieren unverdrossen auf die Klippen zu. Es lohnt sich, denn trotz der von Minute zu Minute schlechter werdenden Wettersituation sind wir von den langen und hohen Steilfelsen, die etwa zwei- bis dreihundert Meter aus dem Meer emporragen, beeindruckt.

Irland Cliffs of Moher Doolin ist nur wenige Kilometer nördlich von den Cliffs of Moher entfernt. Für uns dient dieser Standort als Zwischenstation, um am nächsten Morgen gegen 10.30 Uhr die Fähre zu den Aran Islands zu nehmen. Am Vorabend besuchen wir jedoch noch den Pub "Gus O Connor" in Doolin, eine Riesenkneipe mit mehreren Räumen und guter irischer Folklore, die von einer Liveband präsentiert wird. Die zentrale Lage des Campingplatzes, nur 500 Meter vom Hafen entfernt, kommt uns sehr gelegen. Die Überfahrt nach Kilronan auf Inishmore, der größten der drei Inseln der Aran-Gruppe, dauert etwa 1 ½ Stunden. Das Schiff hält auch auf den vorherigen Inseln Inisheer und Inishmaan.

Die säuberlich, vorwiegend weiß getünchten Häuser von Kilronan, die wir von weitem sehen können, sind uns schon bei der Einfahrt in den Hafen sympathisch. Schnell fühlen wir uns auf der Insel, die aufgrund der Vorsaison einen sehr ruhigen Eindruck macht, wohl. Der Campingplatz ist trotz Befragen einiger Inselbewohner sehr schwer zu finden. Das liegt daran, daß er noch nicht geöffnet ist, jede Art von Hinweisschild fehlt und die sanitären Anlagen nicht existieren, da die ganze Anlage vor der Renovierung steht. Mit anderen Worten: wir zelten - fast wild - auf einer herrlichen Blumenwiese in der Nähe des Ufers. Das zum Kochen und Waschen nötige Wasser besorgen wir uns in den von zuhause mitgebrachten Flaschen und Wassersäcken. Dies ist übrigens ein wichtiger Tip für alle "Wildcamper" in Irland: ausreichend Wasserbehälter mitnehmen! Den Abend widmen wir, inzwischen zu Pubfans geworden, einem Besuch im Pub "Joe Wat-ty´s", einer kleinen, gemütlichen Kneipe mit maritimer Dekoration und echtem Inselflair. Hier treffen sich sowohl Dorfbewohner als auch Urlauber jeder Altersgruppe. Da sich unweit des Campingplatzes ein Hostel befindet, sind auch einige Jugendliche im Pub. In Irland versteht man unter einem Hostel ein Mittelding zwischen einer Jugendherberge und einem Hotel. Der Übernachtungspreis beträgt in der Regel sechs Irische Pfund, (etwa das Doppelte einer Campingplatzübernachtung) die Zimmer sind überwiegend mit zwei oder vier Betten ausgestattet. Zu den Gemeinschaftsräumen gehören eine Küche mit komplettem Inventar und ein Aufenthaltsraum, meistens mit Fernseher.

Für den nächsten Tag haben wir uns eine Inselerkundung per Rad vorgenommen. Auf dem Programm steht zunächst die Besichtigung von Fort Dun Aengus und den Klippen in der Nähe des Forts, die uns noch mehr beeindrucken als die Cliffs of Moher. Bis in dieses Jahrhundert waren die Klippen von Aran die Vogeljagd- und Fischfanggebiete der Einheimischen. Fort Dun Aengus, ein circa 100 Meter über dem Meer liegendes Steinfort, wurde nach dem mythischen Held Aonghasa benannt. Dun Aengus wurde ungefähr während der keltischen Eisenzeit, um die Zeit der Geburt Jesu Christi, erbaut. Obwohl das Fort wie eine militärische Festungsanlage aussieht, sind Wissenschaftler der Meinung, daß dieses Fort als Theater für zeremonielle Aufführungen diente.

Aber Inishmore hat noch mehr zu bieten als das Fort und die Klippen. Ein anschließender Besuch im Aran´s Heritage Centre in Kilronan informiert uns über Landschaft, Tradition und Kultur der Aran Inseln. Die geologische Zusammensetzung und Struktur der Landschaft, verschiedene Gesteinsarten, die Entstehung der Fossile und der Aufbau des Kalksteines wird eingehend dargestellt. Viele Felder der Aran Inseln entstanden durch das Aufschichten von mehreren Lagen Sand, Seetang und Erdreich auf kahle Steine. Die Felder wurden hauptsächlich zum Anbau von Kartoffeln genutzt. Eine harte Zeit für die Inselbewohner war das Ende des 19. Jahrhunderts. Die alten Methoden des Fischfangs mit kleinen Booten oder von den Klippen aus, konnten das Überleben nicht weiter sicherstellen. In den letzten Jahren hat die Fischfangindustie einen bedeutenden Aufschwung erhalten. Sie ist nun die Haupterwerbsquelle der Inseleinwohner. Die Fangflotte liegt in Kilronan und bringt ihren Fang nach Rossaveal an der Connemara-Küste.

Rossaveal ist auch unser nächstes Ziel, das wir gegen Mittag des folgenden Tages mit der "Island Discovery" innerhalb 40 Minuten erreichen. Als Tagesziel haben wir uns das Gebiet östlich der bis zu 2300 Fuß hohen Berggruppe "The Twelve Pins" am Lough Inagh gesetzt. Bei strahlendem Sonnenschein und günstigen Windverhältnissen gelangen wir, fast immer der Küstenlinie folgend, über Screeb, Kilkieran, Carna und Cashel in die Berge. Bis jetzt ist die gesamte Etappe noch sehr flach und trotz unserer 20 kg Gepäck leicht zu bewältigen. Wir fahren am Westufer des Lough Inagh vorbei und finden auch bald einen geeigneten Platz zum campen. In dieser Gegend gibt es keine Campingplätze und der wildromantische Platz, den wir ausgekundschaftet haben, liegt unweit der ohnehin kaum befahrenen Straße. Ein Bachlauf mit einer Wiese, umgeben von einem Wald und hohen Bergen, erscheint uns optimal und wir fühlen uns wie die größten Abenteurer. Da in dieser Gegend kein Dorf in der Nähe ist, muß lediglich der abendliche Pubbesuch entfallen. Dafür werden wir aber durch "Natur pur" reichlich entschädigt.

Am nächsten Morgen machen wir einen Abstecher zum Lough Fee, der nur wenige Kilometer von unserer Straße nach Leenane entfernt ist. Dieser kleine Umweg hat sich aber gelohnt. Der strahlendblaue Bergsee mit seiner Halbinsel und den in der Nähe weidenden Schafen ist ein reizvolles Fotomotiv. Außerdem meint das Wetter es gut mit uns und wir bereuen es nicht, die Sonnencreme mitgenommen zu haben. In dem winzigen und sehr verträumten Touristenörtchen Leenane gönnen wir uns eine Kaffeepause in einem Straßencafe, denn wir wissen, daß uns jetzt eine längere hügelige Etappe bevorsteht, da wir, vorbei am Doo Lough und am 2300 Fuß hohen Ben Gorm, die Berge zwischen den Mweelrea Mountains und den Sheeffry Hills durchqueren müssen, um nach Louisburgh zu kommen. Die Anstiege sind zwar nicht alpiner Natur, aber konstant. Hier macht sich erstmalig unser schweres Gepäck bemerkbar. Der Lohn ist eine unberührte Natur, die nicht durch menschliche Ansiedlungen gestört wird, sowie eine etwa zehn Kilometer lange Abfahrt nach Louisburgh an der Südküste der Clew Bay. Der Rückenwind bringt uns schnell voran nach Westport. Dabei passieren wir den Croagh Patrick (2510 Fuß), den Heiligen Berg der Iren, auf dessen Gipfel eine kleine Wallfahrtskirche steht. Diese ist das Ziel der Pilger, die den Berg barfüßig besteigen. Auf hügeligen Nebenstraßen, die an die Eifel oder das Bergische Land erinnern, radeln wir weiter nach Castlebar. Wenige Kilometer entfernt befindet sich der Campingplatz Carrowkeel, auf dem wir übernachten.

Am folgenden Tag geht es zunächst von Pontoon, wo die Straße zwischen Lough Conn und Lough Cullin hindurch führt, nach Ballina. Ballina, am Fluß Moy gelegen, ist eine mittelgroße Stadt mit entsprechendem Rummel auf den beiden Geschäftsstraßen im Stadtkern. Trotz des Rummels, den wir aufgrund der einsamen Strecken in Connemara und den Bergen nicht mehr gewöhnt sind, gefällt uns die Stadt sehr gut. Alle möglichen Geschäfte sind dicht aufeinandergedrängt und die Pubs und Restaurants dominieren das Straßenbild. Ohne Schwierigkeiten kann ich von meinem Postsparbuch Geld in Landeswährung abheben, obwohl die Beamtin mein Postsparbuch mehrmals von vorne bis hinten und umgekehrt durchblättert und zusätzlich zum Postsparbuchausweis noch den Personalausweis verlangt.

Von Ballina geht es wieder über ziemliche Buckel und mit kräftigem Gegenwind nach Inniscrone an der Killala Bay. Ab hier hoffen wir auf Rückenwind, der aber nicht einsetzt. Die Windverhältnisse bessern sich kurz nach Easky, aber die buckelige Nebenstrecke, die fast immer am Meer vorbeigeht, ist recht anstrengend. Unser Ziel ist der Campingplatz in Strandhill in der Nähe von Sligo, da wir uns für den kommenden Tag die Stadtbesichtigung von Sligo vorgenommen haben. Strandhill ist eine Mischung aus Beverly Hills und noblem Nordseebadeort. Berge, Strand und Dünen sind nah beieinander. Hier herrscht schon reger Betrieb, hauptsächlich von Campmobilurlaubern aus England. In der Nähe ist ein kleiner Sportflugplatz und ein Start- und Landeplatz für Heißluftballons. Da uns all dies nicht interessiert, dient uns der Campingplatz nur zur Übernachtung und zum Wäschewaschen und -trocknen, da die entsprechenden Geräte vorhanden sind. Nur etwa ein Kilometer vom Campingplatz entfernt ist der Pub "The Venue", der sich gegen 22.30 Uhr schlagartig füllt und in dem eine Bombenstimmung herrscht. Der Wirt hat die vollbesetzte Kneipe im Einmannbetrieb voll unter Kontrolle und entwickelt fast artistische Schnelligkeit beim Bedienen der Gäste. Nach einer dreitägigen "publosen" Zeit schmeckt uns das Guiness vom Faß besonders gut. Da jeder Pub ein öffentliches Telefon besitzt, versuche ich, ein Telefonat nach Deutschland zu führen. Dabei muß ich mich daran gewöhnen, daß der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung erst abheben muß, bevor ich die erste Münze einwerfe.

Sligo ist auch nicht viel mehr als eine mittelgroße Stadt, hat aber teilweise schon großstädtischen Charakter. Riesige Supermärkte mit endlos langen Gefriertheken und Personal in Einheitsuniform, daß dem Kunden die gekauften Waren einpackt, erinnern an amerikanische Verhältnisse. Das hat sicherlich mit der proamerikanischen Haltung der Iren zu tun. Diese wiederum resultiert aus der Tatsache, daß viele Iren in die USA ausgewandert sind und aufgrund ihrer Verbindung oder der späteren Rückkehr in die Heimat vieles aus Amerika in Irland übernommen haben. Auf unserer Tour sehen wir nicht selten neben der irischen Flagge die "Stars and Stripes". Obwohl wir einen intensiven Stadtbummel in Sligo unternehmen und die Kathedrale besichtigen, können wir uns mit der Stadt nicht richtig anfreunden. Deshalb beschließen wir, eine Rundfahrt um den Lough Gill, der sich südöstlich von Sligo befindet, zu machen. Bei dieser Seeumrundung finden wir erstmals katastrophale Straßenverhältnisse vor. Ehemalige Schlaglöcher sind zwar größtenteils wieder gefüllt und die Straßenoberfläche ist auch geteert, aber mit sehr grobem Belag. Die Fahrbahn erinnert an ein Patchworkmuster und das Radeln stellt extreme Anforderungen an Mensch und Material dar. Wir sind froh, daß wir nur mit kleinem Tagesgepäck fahren, da wir wieder auf den Campingplatz nach Sligo für eine zweite Übernachtung zurückkehren. Vorher besichtigen wir aber noch Parke´s Castle direkt am Lough Gill. Dieses relativ kleine Schloß aus dem 17. Jahrhundert wurde vor kurzem von Kunsthandwerkern mit irischer Eiche restauriert. Eine entsprechende Ausstellung im Inneren des ehemaligen Herrenhauses dokumentiert diese Arbeiten. Im Innenhof befinden sich die Fundamente und Überreste eines früheren Verteidigungsbaus.

Der nächste Tag bringt eine lange Etappe mit sich, da wir die Donegal Bay umrunden wollen. Dies hat den Vorteil, daß wir dann nahe am Glengesh Pass sind, den wir uns als morgendliche "Bergwertung" vorgenommen haben. Von Sligo fahren wir zunächst wieder am Nordufer des Lough Gill vorbei Richtung Manorhamilton. Anschließend kommt wieder eine kleine Bergetappe, die auch etwas Regen mit sich bringt. Aber die abwechslungsreiche Landschaft, die wir auf den extrem ruhigen Nebenstraßen in Ruhe genießen können und die lange Abfahrt nach Kinlough, am Nordende des Lough Melvin, ist ein gerechter Ausgleich. Von Kinlough, wo es so kalt wird, daß ich meine Handschuhe anziehen muß, kommen wir über Ballyshannon nach Donegal. Leider reicht die Zeit nicht aus, um diese sympathische Kleinstadt intensiver zu besichtigen. Von Donegal geht es bei starkem Westwind rampenartig hoch nach Mountcharles und von da über langgezogene, leicht ansteigende Hügel durch die Hafenstadt Killybegs zum nahegelegenen Campingplatz. Dieser Campingplatz ist der einzige in unserem Zielgebiet. Weil die Gegend zum "Wildcamping" nicht optimal ist, müssen wir uns leider dort niederlassen. Der Preis steht in keinem Verhältnis zur Leistung. Bei sechs Irischen Pfund beträgt er etwa das Doppelte des sonst üblichen Tarifs. Die sanitären Anlagen sind in einem katastrophalen Zustand, der jeder Beschreibung spottet. Selbst die schmuddelige Lounge, in der ohnehin nur Flaschenbier verkauft wird, kann die verfahrene Situation nicht mehr retten, zumal jetzt ein kräftiger Dauerregen und ein starker Wind einsetzt, was den Zeltaufbau nicht gerade fördert. Wind und Wetter und die lange Tagesetappe von knapp 120 km haben uns ganz schön zugesetzt. Verständlich, daß unsere Stimmung auf dem Tiefpunkt angelangt ist. Aber um es vorwegzunehmen: dies war der miserabelste Campingplatz, den wir auf der gesamten Reise vorgefunden haben und auch ein solches Stimmungstief haben wir nie wieder erlebt.

Am nächsten Morgen ist der Ärger schon fast verflogen, obwohl uns die in unmittelbarer Nähe der Zelte weidenden Schafe mit ihrem Geblöke ziemlich früh geweckt haben. Trotz Regenschauer beim Zeltabbau sind wir guter Dinge und neugierig auf den Glengesh Pass. Nach einigen Kilometern buckeliger Küstenstraße fahren wir nordwestlich Richtung Carrick und die Straße nimmt schon fast alpine Züge an. Vor Carrick werden wir jedoch noch mit einer Abfahrt belohnt. Danach geht es stetig, aber sanft ansteigend etwa 15 Kilometer an einem Bach entlang. Dann folgen nur zwei langgezogene, etwa drei Kilometer lange, steile Anstiege, obwohl wir eigentlich noch mehrere erwartet hatten, und wir sind auf der Passhöhe. Es nieselt und die Berge um uns herum sind grau in grau. Trotzdem fühlen wir uns blendend, denn dieser Pass hat uns gereizt und wir haben ihn trotz schweren Gepäcks, ohne abzusteigen, geschafft. Immerhin waren das etwa 300 Höhenmeter im letzten Teilstück.

Die Abfahrt ist supersteil (circa. 15 - 20%) und führt in vielen Kehren und mit herrlichem Gebirgsblick in den Talkessel bis kurz vor Ardara. Von dieser Seite hätten wir den Paß mit unserem Gepäck nicht geschafft. Nachdem wir Ardara hinter uns gelassen haben radeln wir durch ein sehr vielseitiges Gelände. Hügel, Berge, Seen und flache Regionen wechseln ständig. Wir gelangen über Maas und Lettermacaward wieder in Küstennähe, an die Gweebarra Bay. Dem Schild "sce-nic route" folgend haben wir eine wunderbare Aussicht auf das Meer, müssen aber eine "Achterbahnfahrt" in Form von sehr steilen und langgezogenen Hügeln in Kauf nehmen. Unser Tagesziel ist Dunglow, wo wir auf einem relativ neuen und sehr sauberen Campingplatz übernachten.

Irland Ruine am Fuße des Errigal Für heute haben wir uns eine sehr kurze und leichte Tagestour, nämlich zum Errigal, vorgenommen. Der Errigal ist ein kegelförmiger Berg von 2466 Fuß in der Nähe des Glenveagh National Parks. Ab Dunglow geht es, immer der Küste entlang, über das Gebiet "The Rosses" mit herrlichem Meeresblick auf kleine Buchten, Strände und vorgelagerte Inseln über Gweedore nach Dunlewy, am Fuße des Errigal. Im Dunlewy Heritage Centre erkundigen wir uns nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Da es in diesem Gebiet keinen Campingplatz gibt, empfiehlt man uns, in der Nähe einer verfallenen Kirche, die sich einige Kilometer nordöstlich von Dunlewy, abseits der Hauptstraße befindet, "wild" zu campen. Nachdem wir unsere Wasserbehälter im Heritage Centre aufgefüllt haben, fahren wir zu der etwa drei Kilometer entfernten Kirche und finden auch gleich einen geeigneten Platz, an dem wir die Zelte aufbauen können.

Am nächsten Tag lassen wir die Zelte zunächst stehen und fahren mit "kleinem Gepäck" zum etwa auch nur drei Kilometer entfernten Startpunkt des Wanderwegs auf den Gipfel des Errigal. Der Wanderweg, der direkt an der Hauptstrtaße an einer kleinen Brücke beginnt, ist durch Holzpfosten und später durch Steinkegel (cairns), markiert. In etwa einer Stunde haben wir den Gipfel schon erreicht. Da das Wetter trotz einiger Wolken gut ist, haben wir eine Rundumfernsicht. Von hier oben können wir alle Landschaftsformen genießen und auch die Küste erkennen. Beim Abstieg zieht allerdings Nebel auf und auf halber Höhe erwischt uns ein Regenschauer. Trotzdem ist diese Bergtour aufgrund der herrlichen Aussicht ein Erlebnis, zumal man den Gipfel mit normalem, festem Schuhwerk und ohne alpine Ausrüstung leicht erreichen kann. Wieder am Zeltplatz angekommen, bauen wir ab, packen und steuern unser Tagesziel Milford an. Zunächst müssen wir, immer noch nordöstlich fahrend, eine langgezogene Bergstrecke absolvieren. Anschließend folgt eine kilometerlange Abfahrt nach Cresslough und in Carrickart erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise. Nach etwa 15 Kilometern Fahrt entlang der Broad Water Bay, einem Meeresausläufer, erreichen wir Milford. In Ermangelung eines Campingplatzes und aufgrund der vorgerückten Stunde leisten wir uns ein Bed & Breakfast und werden zum Empfang mit Tee und Sandwiches begrüßt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Wintergarten ist unser nächstes Ziel der Lough Erne in Nordirland. Auf dem Weg dorthin machen wir in Letterkenny eine Kaffeepause. Die Stadt selbst erscheint uns, auch aufgrund der geplanten langen Tagesetappe, die ein zügiges Radeln verlangt, nicht unbedingt einer Besichtigung wert. Ab Letterkenny wählen wir für den weiteren Tourenverlauf allerkleinste Straßen, die über die Dörfer führen. Kurz nach Raphoe erreichen wir ein kleine Dorfschule und erheitern die Kinder während der Pause mit einigen Späßchen. Mit vollbepackten Rädern und in Radoutfit mit Helm und Brille bieten wir ja auch einen ziemlich exotisch wirkenden Anblick. Kurz nach Castlefinn erreichen wir die nordirische Grenze, die kaum wahrnehmbar ist. Ein Schild weist lediglich die Autofahrer darauf hin, daß sie für ihr Fahrzeug einen ausreichenden Versicherungsschutz haben müssen. Aber dieses Thema berührt uns ja nicht. Ab Castlederg geht es bis auf wenige kurze, leichte Steigungen kilometerweit bergab nach Kesh am Lough Erne. Dem Ostufer des Sees in Richtung Süden folgend, erreichen wir Castle Archdale und inspizieren den Campingplatz. Da uns dieser nicht zusagt, fahren wir weiter in Richtung Enniskillen, wo es noch einen Zeltplatz geben soll. Dieser existiert jedoch nicht und wir entschließen uns wiederum für "wild" campen. Nach langer Suche finden wir eine geignete Stelle, etwa drei Kilometer nördlich von Enniskillen.

Trotz eiskalter Nacht in meinem zu dünnen Sommerschlafsack fühle ich mich am nächsten Morgen fit. In Enniskillen suchen wir zunächst ein Fahrradgeschäft auf, um meinen defekten Umwerfer zu ersetzen. Dies hatten wir in verschiedenen anderen Städten schon oft versucht, allerdings ohne Erfolg. Die Fahrradgeschäfte in Irland, auch in größeren Städten, sind, verglichen mit dem deutschen Standard, um Jahre zurück und ähneln oft Garagenbetrieben. Uralte Teile, die längst überholt sind, werden auf Anfrage aus Schuhkartons herausgekramt.

Während der Umwerfer ausgewechselt wird machen wir einen Stadtbummel, der mit einem Besuch in einem Cafe beginnt. Dies war die richtige Entscheidung, da während unseres zweiten Frühstücks ein kräftiger Hagelschauer niederprasselt. Anschließend scheint natürlich wieder die Sonne, obwohl es noch sehr kalt ist. Wir besichtigen die Kirche in Enniskillen und sehen uns die Stadt an. Nach abgeschlossener Reparatur fahren wir weiter Richtung Südwesten, zur Grenze nach Irland. Diese passieren wir bei Swanlinbar. Danach geht es langsam, aber stetig bergauf und wird immer steiler, allerdings in leicht zu fahrenden, weit auslaufenden Serpentinen. Hier, in der Nähe des Benbrack, in den Iron Mountains, muß irgendwo die Quelle des Shannon sein. Nach dem Anstieg, der durch einen Hagelschauer leicht erschwert wird, folgt eine herrlich lange Abfahrt, allerdings zum größten Teil auf sehr schlechten Straßen. Unser Tagesziel ist Dowra, wo wir einen Bauern bitten, auf seiner Wiese zu campen. Diese Bitte wird uns sofort gewährt. In der eiskalten Nacht erleben wir Rauhreif, sogar an der Zeltaußenseite.

Von Dowra fahren wir weiter Richtung Lough Allen. Es geht fast nur leicht bergab und über Drumshanbo, immer am Lough Allen vorbei, erreichen wir Carrick on Shannon, daß sich zur Mittagsrast anbietet. Es geht durch ein ziemlich einsames Gelände weiterhin bergab nach Lanesborough. Bis auf einen kurzen Teil der Strecke, eine "scenic route", die uns einen Ausblick auf den Flußlauf des Shannon liefert, gibt es keine spektakulären Höhepunkte. Auf einer endlos langen Straße, die bis auf ein riesiges Torfabbaugebiet keine Höhepunkte bietet, erreichen wir Ballymahon. Aufgrund der leicht abfallenden Strecke und des Rückenwindes kommen wir jedoch gut voran. Ab Ballymahoon fahren wir wieder westlich, haben leichten Gegenwind und einige kleine Hügel zu bewältigen. Das Ende dieser Tagesetappe ist eine kleine Abfahrt, nach der wir Ballykeeran erreichen. Dort gehen wir auf den Campingplatz, der uns aufgrund seiner Lage direkt am Shannon und des guten Zustands gefällt. Es gibt sogar Picknicktische und eine geräumige Holzhütte mit Tischen und Bänken, in der man bei Schlechtwetter seine Mahlzeiten kochen und essen kann. Sofort beschließen wir, zwei Tage zu bleiben. Nach langer "Pubabstinenz" besuchen wir am Abend den Pub "Dog and Duck" unweit des Campingplatzes. Die Band spielt Countrymusik und Oldies. Trotz voller Kneipe gehen um Mitternacht demonstrativ die Lampen aus. Wir dürfen aber noch in Ruhe austrinken, um dann den kurzen Heimweg zum Campingplatz anzutreten.

Nach dem Frühstück am Picknicktisch im Sonnenschein radeln wir nur wenige Kilometer nach Athlone, um uns die Stadt anzusehen. Zunächst besichtigen wir die Außenanlagen der Burg. Anschließend besuchen wir die St. Peter and Paul Cathedral und die Altstadt. Enge Sträßchen mit kleinen "Tante Emma" Läden, Pubs und Restaurants bestimmen das Bild der Altstadt. Auf dem Shannon, der mitten durch die Stadt fließt, versuchen die Angler vom Boot aus ihr Glück. Für den Besuch des Drama Festivals, daß momentan stattfindet, fehlt uns leider die nötige Zeit.

Irland Restaurant in Galway Unser nächstes Reiseziel ist Galway. Der Weg dorthin führt auf ruhigen Nebenstraßen über Mount Bellew Bridge, Menlough und Monivea. In der näheren Umgebung von Galway gibt es mehrere Campingplätze. Wir entscheiden uns für "Bar-na House". Dazu müssen wir, von Osten kommend, quer durch die Innenstadt von Galway und entlang der Küste stadtauswärts Richtung Westen radeln. Der Campingplatz liegt etwa acht Kilometer außerhalb des Stadtkerns und aufgrund der guten Busverbindung lassen wir die Räder am nächsten Tag am Campingplatz stehen und fahren mit dem Bus in die Innenstadt. Die Anzahl der Geschäfte, Restaurants, Cafes und Pubs, dicht nebeneinandergedrängt, ist eindrucksvoll. Es gibt sogar eine mehrstöckige Shopping Mall nach amerikanischem Vorbild. Galway kommt mir wie eine kleinere Version von London vor. Lohnenswert für alle, die irgendeine Art von Information über Irland suchen, ist der Besuch des Tourist Office. Hier erhält man nicht nur lokal bezogene Informationen, sondern alles über das gesamte Land. Besonders reichhaltig ist das Angebot an Landkarten, Reiseführern und Literatur. Aber auch Musikkassetten oder Souvenirs sind hier erhältlich. Außerdem kann das freundliche Personal bei schwierigen Fällen weiterhelfen.

Wer gerne in ein Cafe geht, sollte einen Besuch im "Cafe du Journal" auf der Quay Street nicht versäumen. Dort findet man 16 verschiedene Arten Kaffee auf der Karte. Ebensoviele Sorten werden in Bohnenform zum Verkauf angeboten. Die wichtigsten internationalen Tageszeitungen liegen für jedermann, ähnlich wie in deutschen Cafes, aus. Wer einen Pubbesuch vorzieht, hat in Galway die Qual der Wahl. Die Auswahl ist riesig. Wir entscheiden uns für den mehrfachen "award winner" "Paddy´s Bar". Zusätzlich zu den üblichen Getränken kann man dort natürlich auch essen. Eine Art kleines Heimatmuseum, daß sich in der Nähe des Hafens befindet, beinhaltet lokale Objekte und gibt Auskunft über die Geschichte von Galway und der näheren Umgebung. Die Stadt hat viel zu bieten und wer Galway intensiv erkunden will, sollte sich anhand eines Reiseführers oder im Tourist Office entsprechend über das informieren, was ihn interessiert.

Der Burren, eine Berggegend aus Kalkstein, dessen Zentrum sich zwischen Lisdoonvarna, Ballyvaghan und Corrofin befindet, ist unser nächstes Ziel. Da wir nach Corrofin möchten, müssen wir den Burren, fast in der Mitte, durchqueren. Nachdem wir den Glengesh Pass und die Iron Mountains geschafft haben, fürchten wir diese letzte Bergetappe auch nicht mehr. Von Galway fahren wir östlich um die Galway Bay, zunächst auf einer stark befahrenen Straße, die sich nicht umgehen läßt, herum. In Kilcolgan biegen wir nach rechts auf eine ruhigere Straße ab, die uns nach Kinvara, einem kleinen Fremdenverkehrsörtchen, in dem es zur Zeit noch recht ruhig zugeht, bringt. In einem urgemütlichen Cafe direkt an der Kinvara Bay gönnen wir uns eine kurze Kaffeepause, um anschließend weiter nach Ballyvaghan zu fahren. Hier knicken wir nach Süden ab und fahren zu den Ailwee Caves.

Die Ailwee Caves sind riesige, unterirdische Kalksteinhöhlen, die innerhalb einer halbstündigen Führung besichtigt werden können. In langen Höhlengängen sieht man Stalakmiten und Stalaktiten, die, bei etwas Phantasie des Betrachters, spezielle Formen erkennen lassen, z.B. die "betenden Hände". Die Höhlen wurden 1940 von einem Bauern durch Zufall entdeckt der seinen in einem Erdloch buddelnden Hund suchte. Seit 1976 sind die Ailwee Caves für die Besucher geöffnet. Der ganze Betrieb einschließlich Führung und Souvenirladen ist perfekt organisiert. Es gibt sogar Radständer und abschließbare Gitterboxen, in denen man seine Radtaschen lassen kann. Ein Feinschmeckerladen, der neben Honig alle möglichen Lebensmittel, z.B. Essig, Öl und diverse Saucen anbietet, offeriert die Möglichkeit des Besuchs einer Käseproduktion. Auf zahlreichen Regalen lagern die Käselaiber und der interessierte Besucher kann sich eingehend über die Produktion informieren.

Nach der Höhlenbesichtigung kommt der Anstieg zum Burren. Es geht in langgezogenen Serpentinen einige Hundert Fuß hoch und dann auf der Hochebene wieder gerade. Zahlreiche Schilder am Straßenrand weisen auf das Vorhandensein megalithischer Gräber aus keltischer Vorzeit hin. Nachdem wir die Hochebene hinter uns gelassen haben kommt die lange Abfahrt nach Killinaboy. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Tagesziel Corrofin. Auf dem im vorigen Jahr neu erbauten Campingplatz sind die Anlagen natürlich in bestem Zustand. Die Besitzer erlauben uns sogar, die Gemeinschaftsküche des angegliederten Hostels mitzubenutzen.

Klosterruine in Kilmacduagh Nach dem Frühstück in der Küche reserviere ich telefonisch den Rückflug nach München. Dabei erfahre ich, daß wir zwei Stunden vor dem Abflug, also um 6.20 Uhr, einchecken müssen. In Corrofin haben wir uns entschlossen, zwei Tage zu bleiben. Wir starten zu einem Tagesausflug nach Portumna am Nordostende von Lough Derg. Zunächst fahren wir an den Ausläufern des Burren und am Lake Bully vorbei zur Ruine des Klosters Kilmacduagh. Es wurde im 7. Jahrhundert von St. Colman Mac Duach auf einem Landstück gegründet, daß er von König Guaire, einem Verwandten, bekommen hatte. Um 1200 wurde es Bischofssitz. Von 1327 bis 1358 war es Sitz des Bischofs von Tuam, wurde später aber wieder unabhängig. Die Ruinen der Kathedrale, der drei Kirchen und des Wohngebäudes des Abts sowie der Turm sind der Nachwelt erhalten geblieben.

Wir fahren weiter nach Gort und durchqueren anschließend die Slieve Aughty Mountains, ein über mehr als zwanzig Kilometer fast menschenleeres Gebiet. Dadurch, daß die Steigungen nicht allzu stark sind, können wir den Reiz dieser abwechslungsreichen, waldigen Hügellandschaft voll genießen. Außer einigen kleineren Bauernhöfen gibt es keine weiteren Ansiedlungen. Auch hier müssen wir uns leider mit einem sehr schlechten Straßenzustand zufriedengeben. Von Portumna sind wir nicht gerade begeistert und so fahren wir nach einer kurzen Mittagspause bald wieder zurück. Der starke Gegenwind ist brutal und wir können die Situation nur dadurch meistern, daß wir uns beim Windschattenfahren abwechseln. Dies ist der typische Westwind, den wir schon lange erwartet und gefürchtet haben und von dem wir bis jetzt verschont geblieben sind. Gottseidank geht es leicht bergab. Ab Mountshannon wird es jedoch wieder hügeliger und der Wind hat immer noch nicht nachgelassen. Endlich erreichen wir Ennis und wissen, daß wir jetzt nur noch zehn Kilometer bis zu unserem Campingplatz in Corrofin zu fahren haben. Zwei kleine Regenschauer auf den letzten Kilometern zwingen uns zu einer kurzen Pause unter Bäumen. Das abendliche Guinness im Pub "The Anglers Rest" haben wir uns redlich verdient.

Pub in Limerick Nach einem gemütlichen Frühstück im Hostel fahren wir nach Newmarket on Fergus, zu dem B & B, an dem wir zu Beginn unserer Reise unser Verpackungsmaterial deponiert haben. Nachdem wir unsere Räder entladen haben, machen wir einen letzten Ausflug nach Limerick. Leider ist King John´s Castle momentan geschlossen und wir unternehmen einen Stadtbummel. Anschließend besuchen wir noch zwei Kirchen und entdecken den Flohmarkt der Stadt, den Milk Market. Er ist nicht besonders groß, bietet aber einige nette Kuriositäten. Wir bedauern es sehr, daß wir aufgrund der Transportprobleme nichts kaufen können. Auf holprigen Straßen geht es danach zurück zu unserem Quartier.

Der letzte Urlaubstag beginnt um 4.00 Uhr mit dem Summen des Weckers, den wir uns bei der Gastfamilie ausgeliehen haben. Das üppige irische Frühstück wird heute durch einige Sandwiches ersetzt, die schon am Vorabend für uns bereitgestellt wurden. Gegen 4.40 Uhr, zu Beginn der Morgendämmerung, sitzen wir schon im Sattel und erreichen gegen 5.15 Uhr den Flughafen in Shannon. In einer guten Dreiviertelstunde haben wir unsere Räder verpackt und genügend Zeit zum einchecken. Die Abflugstafel zeigt uns zwischen 8.00 Uhr und 8.30 Uhr drei Flüge nach München an. Neben unserer Flugnummer erscheint jedoch noch kein Flugsteig. Es stellt sich bald heraus, daß bei den Münchner Flügen einiges umorganisiert wurde und wir müssen zu einem Flugsteig, der vorher für einen anderen Münchner Flug vorgesehen war. Letztendlich können wir in die richtige Maschine und sehen vom Flugzeug aus, wie unsere Räder nicht gerade sanft verladen werden. Mein Rad liegt auf dem Gepäckwagen ganz unten, darauf liegt Detlef´s Rad und obenauf ein Kinderwagen. Der Start erfolgt mit einer halbstündigen Verspätung und wir sind gespannt, in welchem Zustand sich die Räder beim Empfang in München befinden werden.

Nach der Landung in München bekommen wir unser Gepäck und die Räder sehr schnell. Beim Auspacken muß ich jedoch feststellen, daß die Führung des rechten Bremsklotzhalters an der Vorderbremse während des Transports zusammengedrückt wurde und ich deshalb das Bremsseil nicht mehr einhängen kann. Beim Zurückbiegen bricht das Führungsstück ab und ich kann die Bremse nicht mehr benutzen. Da ich das Fahrrad gut verpackt hatte, ärgere ich mich ziemlich über diesen Transportschaden. Zuguterletzt erfahren wir auch noch, daß ein Teilstück der S-Bahnstrecke nach Hause im Schienenersatzverkehr abgewickelt wird und wir müssen die Räder in den Bus verfrachten, um anschließend die Reststrecke mit der S-Bahn fortsetzen zu können. Trotz des nicht ganz perfekten Finales sind wir einstimmig der Meinung: Der Urlaub war super. der irische Radbazillus hat uns infiziert.

© by Klaus Offermann, 1998

Der Autor ist freier Journalist und kann unter folgender Adresse erreicht werden:

Klaus Offermann

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e-mail: ok@klaus-offermann.de

Klaus Offermann hat außerdem ein Radreiseunternehmen und ist spezialisiert auf geführte Touren in Oberbayern, Tirol, Polen und Neuseeland.